Woran erkennst du eine gute Designerin?
Eine Kundin von mir, ich nenne sie mal Lena, wollte eigentlich nur ihr Logo in Weiß haben. Sie wollte es wie einen Stempel auf ihre Fotos legen. Von ihrer Designerin hatte sie aber nur eine einzige farbige Version bekommen, und die Designerin selbst war spurlos verschwunden. Also kam Lena etwas verzweifelt zu mir.
In einer Vektordatei die Farbe zu ändern, ist eigentlich kein Hexenwerk. Als ich mir die Datei genauer ansah, wurde mir allerdings anders: Da kreuzten sich Linien, und ein Schnörkel verschwand in kleiner Darstellung bis zur Unkenntlichkeit. Einige Stunden und Schweißausbrüche später waren Linien und Schnörkel geglättet, auch klein noch zu erkennen, und das Logo ließ sich mit einem Klick umfärben.
Dieses Erlebnis brachte mich auf die Frage: Woran können Menschen, die nicht aus dem Designbereich kommen, eigentlich eine gute Grafikdesignerin erkennen?
Designerin darf sich jede nennen
Stell dir vor, du brauchst ein Logo oder einen Internet-Auftritt, der zu deinem neuen Angebot passt. Mit der KI hast du es vielleicht schon probiert, aber das Ergebnis hat dich nicht überzeugt. Also willst du einen Profi engagieren. Ein Blick ins Internet oder in deine Kontakte bei LinkedIn dämpft allerdings deine Entschlussfreude: Es gibt ja sooo viele Grafikdesigner:innen. Woher sollst du wissen, wer es drauf hat und wer zu dir passt?
Die Frage ist berechtigt. Grafikdesigner:in ist in Deutschland kein geschützter Beruf. Ein Abschluss sagt etwas, aber längst nicht alles. Ob jemand gute Arbeit macht, merkst du an den Fragen, die dir gestellt werden, und an dem, was du am Ende in den Händen hältst.
Ich hab dir deshalb aufgeschrieben, worauf ich achten würde, sortiert nach den Phasen eurer Zusammenarbeit. Keine Sorge, du musst nicht alles davon abfragen. Eine gute Designerin spricht vieles von sich aus an, und genau das ist schon ein gutes Zeichen. Weiter unten gibt’s eine Checkliste zum Herunterladen, die du einfach abhaken kannst.
Bevor ihr sprecht: Website und Portfolio
Schau dir die bisherigen Arbeiten an. Gefallen sie dir? Und sehen die Logos im Portfolio unterschiedlich aus? Eine eigene Handschrift ist völlig in Ordnung. Wenn aber das Café, die Coachin und der Handwerker alle irgendwie gleich aussehen, dann gestaltet da jemand eher nach eigenem Geschmack als für die Menschen dahinter.
Achte auch darauf, ob die Designerin beschreibt, wie sie arbeitet und was du am Ende bekommst. Wer seinen Ablauf erklären kann, hat auch einen. Und lies die Kundenstimmen: Loben die Leute nur das Ergebnis oder auch die Zusammenarbeit?
Ein Kennenlerngespräch geht über Zoom oder wir treffen uns persönlich.
Im Kennenlerngespräch
Hier merkst du am schnellsten, mit wem du es zu tun hast. Fragt sie nach deinem Angebot, nach deiner Zielgruppe und danach, wohin du willst? Oder geht es gleich um Lieblingsfarben und Schriften? Ein Logo soll zeigen, wer du bist und was in deinem Angebot steckt. Das kann nur jemand umsetzen, der zuhört und nachfragt.
Eine Frage, die oft fehlt: Wo wirst du dein Logo überall einsetzen? Auf der Website, als Profilbild bei Instagram, auf Visitenkarten, auf einem Schild, vielleicht groß auf deinem Auto. Lena hatte damals auch nicht daran gedacht, ihr Logo mal in Weiß auf Fotos zu legen oder auf ihren Van zu kleben. Hätte ihre Designerin danach gefragt, hätte Lena die passenden Dateien wahrscheinlich gleich mitbekommen.
Ein gutes Zeichen ist auch, wenn sie dir ehrlich sagt, dass du gerade etwas anderes brauchst, zum Beispiel weil deine Richtung noch nicht klar genug ist für ein Logo. Und sie sollte die Kosten offen ansprechen, ohne dass du am Ende des Gesprächs danach fragen musst.
Bleibt noch das Bauchgefühl. Ihr arbeitet ein paar Wochen eng zusammen, da ist es wichtig, dass die Chemie stimmt. Wenn du nach dem Gespräch ein komisches Gefühl hast, hilft dir auch ein tolles Portfolio wenig.
Das Angebot: lieber schwarz auf weiß
Lass dir ein schriftliches Angebot geben, in dem alle Leistungen stehen: wie viele Entwürfe und Überarbeitungen enthalten sind, bis wann was fertig ist und welche Dateien du am Ende bekommst. Klärt auch, wie ihr miteinander sprecht (Mail, Telefon, Videocall) und auf welchem Weg du die Entwürfe bekommst.
Besonders wichtig finde ich die Frage, was passiert, wenn dir keiner der Entwürfe gefällt. Das kommt vor und ist kein Drama. Eine gute Designerin hat dafür einen Weg und erklärt ihn dir, bevor ihr loslegt.
Nutzungsrechte: Das Urheberrecht bleibt in Deutschland bei der Designerin, du bekommst Nutzungsrechte. Im Angebot oder Vertrag sollte stehen, in welchem Umfang: zeitlich, räumlich, für welche Medien und ob exklusiv. Frag auch, ob die Rechte im Preis enthalten sind oder extra ausgewiesen werden und ob du das Logo später von jemand anderem anpassen lassen oder als Marke anmelden darfst. Ich bin keine Juristin, bei rechtlichen Fragen hilft dir eine Anwältin für Urheber- und Markenrecht weiter.
Schriften: Darf die Schrift geschäftlich genutzt werden? Manche Schriften brauchen eine eigene Lizenz, etwa für die Website. Das sollte vorher geklärt sein, damit du später nicht überrascht wirst.
KI: Du darfst auch fragen, ob und wie KI im Prozess eingesetzt wird. Rein KI-erzeugte Gestaltung ist nach deutschem Recht in der Regel nicht urheberrechtlich geschützt. Gut zu wissen, wenn es um die Rechte an deinem Logo geht.
Ich zeige gern schon erste Logoskizzen.
Während der Zusammenarbeit
Wirst du schon bei den ersten Ideen einbezogen, oder bekommst du direkt fertige Vorschläge? Bei mir entstehen die ersten Logo-Skizzen mit Bleistift auf Papier, bevor ich zwei, drei Ansätze am Computer ausarbeite. So kannst du früh sagen, in welche Richtung es gehen soll, und musst nicht erst am Ende Einspruch erheben.
Leg die Entwürfe neben das, was du im Kennenlerngespräch erzählt hast: Passen sie zu deinen Zielen, deinen Werten und deiner Zielgruppe? Und lass dir zeigen, wie das Logo ganz klein aussieht, etwa als Profilbild, und in einer einzigen Farbe. Daran erkennst du ziemlich schnell, ob es sauber gebaut ist. Bei Lenas Logo wäre der Schnörkel spätestens da aufgefallen.
Die Übergabe: Was du am Ende bekommst
Am Ende entscheidet sich, ob du auch nach Jahren noch mit deinem Logo arbeiten kannst, ohne immer wieder jemanden fragen zu müssen.
Dateien: Bilddateien (PNG, JPG) reichen für Website und Social Media, für alles andere brauchst du auch Vektordateien (SVG, EPS, PDF). Die lassen sich beliebig groß ziehen, ohne unscharf zu werden, sie lassen sich umfärben, und jede Druckerei kann damit arbeiten. Die offenen Arbeitsdateien aus dem Grafikprogramm bekommst du in der Regel nicht. Brauchst du aber auch nicht, solange die Vektordateien da sind.
Varianten: farbig, schwarz, weiß und mit transparentem Hintergrund, dazu eine Bildmarke fürs Profilbild in den sozialen Medien. Je nach Logo auch eine Version quer und eine hochkant. Am Anfang brauchst du meistens nicht alle davon, aber sie sollten da sein, wenn es so weit ist.
Farbwerte: für den Druck und für den Bildschirm, damit Druckerei und Website dieselbe Farbe zeigen.
Styleguide: Farben, Schriften, Mindestgröße, Abstand rund ums Logo und was du lieber nicht damit machen solltest. Alles in einem übersichtlichen Ordner mit Erklärung, damit du, deine Druckerei oder wer auch immer deine Website baut, ohne Rückfragen arbeiten können.
Manchmal ist es auch sinnvoll, das Logo für verschiedene Größen anpassen zu lassen: Auf einem großen Schild brauchen die Buchstaben zum Beispiel einen anderen Abstand als auf der Visitenkarte. Das ist kein Muss, zeigt aber, dass jemand genau hinschaut.
Erreichbarkeit: Bewahrt sie deine Dateien auf? Kannst du dich später melden, wenn etwas Neues dazukommt? Lena hätte das eine Menge Ärger erspart …
Meine Checkliste für dich
Wenn du aufs Bild klickst, kannst du dir meine kostenlose Checkliste zum Ausdrucken und Mitnehmen ins Kennenlerngespräch herunterladen.
Und jetzt?
Jetzt weißt du, worauf du achten kannst, wenn du dich auf die Suche nach einer guten Designerin oder einem guten Designer machst.
Und wenn du dir das Suchen und Abwägen sparen willst, frag gern direkt bei mir an. Dann kannst du gleich testen, ob ich mich an meine eigenen Vorgaben halte …


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