Ich bin INFJ-T, ein „Advokat“. Was heißt das für meine Arbeit?
Ich bin ein Advokat. Nee, Jura hab ich nicht studiert, dafür waren meine Noten nicht gut genug. Ich gehöre stattdessen zu einem der seltensten Persönlichkeitstypen überhaupt: dem INFJ-T, auch „turbulenter Advokat“ genannt.
Normalerweise gebe ich auf solche Persönlichkeitstests nicht viel. Das ist ein bisschen wie mit Horoskopen: Irgendwas passt immer. Aber der Test von 16 Personalities, der sich am Myers-Briggs-Modell orientiert, hat mich echt umgehauen, so genau trifft das Ergebnis auf mich zu.
Jetzt willst du bestimmt wissen, was sich hinter dem Advokaten verbirgt, stimmt’s?
I wie introvertiert: Ich arbeite am liebsten allein
Dass ich selbstständig bin, passt ziemlich gut zu mir. Ich arbeite am liebsten allein und in Ruhe, Hintergrundmusik gibt’s bei mir nicht. Introvertiert heißt bei mir vor allem, dass ich am besten allein und am liebsten draußen in der Natur auftanken kann. Wenn mein Kopf mal zu ist und ich keinen klaren Gedanken mehr fassen kann, drehe ich eine Runde übers Feld oder durch den Wald. Danach ist der Kopf wieder frei, und manchmal bringe ich von so einem Spaziergang sogar eine neue Logo-Idee mit.
Auch im Gespräch mag ich es lieber ruhig. Ein Einzelgespräch mit Tiefgang ist mir lieber als jede große Diskussionsrunde. Wenn du mit mir arbeitest, sitzt dir im Kennenlerngespräch also genau die Person gegenüber, die später auch dein Logo gestaltet. Und ich nehme mir Zeit zum Zuhören.
In der Natur tanke ich auf – hier im Hasenglöckchen-Wald
N wie intuitiv: Ich sehe Zusammenhänge, die andere übersehen
Im Kennenlerngespräch achte ich auch auf das, was zwischen den Zeilen steht. Wofür brennt jemand? Was taucht immer wieder auf? Wo hakt es? Oft fügt sich dabei ein Bild zusammen, bevor mein Gegenüber es selbst in Worte gefasst hat. Wiltrud Pott von den Ordnungslotsen schrieb mal über unsere Zusammenarbeit: „Frau Reuter hat sehr schnell erfasst, worum es mir geht.“ Das höre ich öfter, und ich freu mich jedesmal darüber. Durch meine langjährige Erfahrung spüre ich ziemlich schnell, wo der Kern liegt.
Beim Gestalten hilft mir das genauso. Ein Logo soll zeigen, wer jemand ist und was in seinem Angebot steckt. Mich interessiert dabei immer zuerst der Mensch. Wenn ich weiß, wofür jemand steht und wen er erreichen will, ergibt sich vieles fast von selbst.
F wie gefühlsbetont: Ich hab eine Antenne für andere
Hilfsbereitschaft ist mein Motor. Ich hab eine Antenne dafür, was andere brauchen – manchmal auch dann, wenn es gar nicht das ist, wonach sie gefragt haben. Deshalb sage ich im Erstgespräch ehrlich, wenn jemand erst etwas anderes braucht als ein Logo, zum Beispiel weil die eigene Richtung noch gar nicht klar ist. So entgeht mir schon mal ein Auftrag, aber das nehme ich in Kauf.
Meine Entscheidungen treffe ich nach meinen Werten, und ganz oben steht Ehrlichkeit. Ein Logo allein bringt noch keine neuen Kund:innen, und das sage ich auch im Gespräch. Ich verspreche nur, was ich halten kann, und Druck mach ich keinen. Mit Verkaufsmaschen und Angstmache kann man mich jagen.
Für das Erstgespräch mit Kundinnen nehme ich mir immer viel Zeit
J wie strukturiert: Ich arbeite nach Plan
Wild drauflos gestalten? Das liegt mir überhaupt nicht. Jedes Projekt startet bei mir mit einem Fragebogen, und erst wenn ich den ausgewertet hab, lege ich los. Dann wird’s ganz altmodisch: Ich skizziere mit Bleistift auf Papier, und während die Hand übers Blatt gleitet, entstehen manche Ansätze fast wie von allein.
Jede Skizze gleiche ich mit dem ab, was sich aus dem Fragebogen herauskristallisiert hat. Passt der Ansatz zu den Werten, zur Vision, zum Angebot und zur Zielgruppe? Erst wenn mir eine Idee vielversprechend erscheint, scanne ich sie ein und arbeite digital weiter. So hat am Ende jede Linie und jede Schrift einen Grund. Ein Styleguide sorgt dafür, dass der Auftritt auch später noch zusammenpasst, wenn etwas Neues dazukommt.
Auch im Alltag schätze ich geordnete Abläufe und Struktur. Mit einem Plan fühle ich mich wohler als ohne.
T wie turbulent: Stress lässt mich nicht kalt
Das T steht für die „turbulente“ Ausprägung. Turbulente Typen reagieren feinfühliger auf Stress, zweifeln eher an sich und neigen zum Perfektionismus. Bei mir trifft das alles zu, muss ich zugeben.
Für meine Kund:innen ist das gar nicht so schlecht. Mit dem ersten Entwurf geb ich mich nämlich selten zufrieden. Ich schau lieber noch einmal hin, prüfe, ob alles zusammenpasst, und überarbeite so lange, bis die Kundin sagt: „Das ist es.“
Turbulente wollen außerdem ständig dazulernen. Das kenne ich gut: Studiert hab ich noch ohne Computer, und nach der Familienzeit hab ich mir alle Programme selbst beigebracht. Und weil Stress bei mir schnell ankommt, plane ich Projekte mit Vorlauf. Schnellschüsse auf den letzten Drücker nehme ich nicht an. Unter Zeitdruck käme bei mir einfach nichts raus, mit dem ich zufrieden wäre.
Stress lässt mich nicht kalt
Wie selten ist der Advokat?
Der INFJ gilt als der seltenste der 16 Typen. Man trifft ihn wohl häufig in kreativen und sozialen Berufen, im Gesundheitswesen und in der Selbstständigkeit – also ziemlich genau da, wo ich gelandet bin.
Advokaten sind Idealisten, die etwas bewegen und das Leben anderer besser machen wollen. Sie sind gewissenhaft, wissen genau, wofür sie stehen, und führen lieber ein Gespräch mit Bedeutung als Geplauder über das Wetter. Und sie haben oft das Gefühl, irgendwie anders zu sein.
Als berühmte Advokaten werden gern Martin Luther King, Nelson Mandela und Mutter Teresa genannt. Den Test gemacht hat von denen natürlich keiner, und in dieser Liga sehe ich mich auch nicht. Aber eins ist sicher: Anderen weiterzuhelfen und mich für sie einzusetzen, liegt in meiner Natur. Ich darf nur nicht vergessen, zwischendurch auch mal an mich zu denken …
Du stellst dich gerade neu auf und suchst jemanden, der erst zuhört und dann gestaltet? Lass uns reden!

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