Branding für supervision.partners: Ein Designprozess mit Umwegen
Die Logoentwicklung für supervision.partners war mein schlimmster Auftrag bisher. Das lag nicht an den sympathischen Coaches Katja und Nannette. Die Ursache lag in meinem eigenen Arbeitsprozess. Der Weg bis zum fertigen Branding lief für mich diesmal nämlich alles andere als geradlinig.
Der Beginn unserer Zusammenarbeit fiel in die Vorweihnachtszeit. Erste Entwürfe waren schnell gemacht, aber dann hing ich fest. In meinem Kopf schwirrte es von To-Dos und ich fand einfach nicht die Ruhe, um in den Flow zu kommen.
Ende Januar dann stürzte mein Vater und auf einmal war nichts mehr wie es war. Statt an meinen Entwürfen zu feilen, standen Anrufe, Arzttermine und das Ausfüllen von Anträgen auf der Agenda. Ich versuchte zwar, hier und da zwei Stündchen Zeit für die kreative Arbeit zu finden, aber Kopf und Herz waren nicht ganz bei der Sache.
Dann ging es mit meinem Vater rasant dem Ende zu. Arbeit und Kundentermine waren kein Thema mehr. Jetzt war voller Fokus auf die Familie gefragt. Ich bin super dankbar, dass meine beiden Kundinnen mit viel Verständnis und Geduld reagiert haben.
Aus dem holprigen Start entwickelte sich dann aber ein passendes Logo mit kurvigem Weg und neuen Perspektiven. Und das beschreibt nicht nur die Supervision der beiden Geschäftspartnerinnen perfekt, sondern interessanterweise auch unsere Zusammenarbeit. Aber eins nach dem anderen.
Die Herausforderung: Wie visualisiert man Supervision?
Katja und Nannette sind zwei erfahrene Supervisorinnen, die Coaches, Teamcoaches und Ausbildungsinstituten Raum für professionelle Reflexion geben wollen. Außerdem setzen sie sich dafür ein, dass Supervision als Standard in der Coachingbranche etabliert wird und die Qualitätssicherung garantiert.
Um mich besser in ein Projekt hineindenken zu können, verschicke ich zu Beginn unserer Zusammenarbeit immer einen Fragebogen. Mich interessiert zum Beispiel, warum jemand in die Selbständigkeit gestartet ist, was das Angebot besonders macht oder welche Probleme ihrer Zielgruppe die Person lösen möchte. Ich frage auch nach den Werten, die das Unternehmen verkörpern möchte. Schließlich sollen Logo und Branding im Idealfall ja genau diese Werte transportieren.
In diesem Fall lief der Einstieg ins Thema für mich etwas anders. In zwei Zoom-Calls konnte ich zwar bereits einige Fragen loswerden, aber weil in das Projekt auch eine Redakteurin und eine Webdesignerin eingebunden waren, bekam ich ein sehr umfangreiches Briefing und musste mir die Antworten auf meine wichtigsten Fragen selber herauslesen. Das war eine neue Erfahrung und vielleicht auch mit ein Grund, warum mir das Warmwerden mit dem Thema diesmal schwerer fiel als sonst.
Ich notierte mir einige Analogien, die mir zum Wesen ihrer Supervision einfielen:
-
- Licht auf eine Situation werfen
- Herauszoomen, Zusammenhänge sehen
- Teil eines Netzwerks
- Siegel/Zertifikat
- Kompass für den Weg
Dass sich später der Weg herauskristallisieren würde, war mir am Anfang noch nicht bewusst. Was für mich und für die beiden Coaches jedenfalls schnell feststand: Ein Siegel würde das Wesen ihres Angebots sehr gut visualisieren. Schließlich schaffen sie mit ihrer Superversion die Voraussetzung für die Zertifizierung von Coaches.
Das waren einige meiner ersten Siegel-Ideen, die es aber alle nicht in die Endrunde geschafft haben:
Der Entwicklungsprozess: Über Umwege zum fertigen Logo
Erste Ansätze
Nun galt es, die Idee der Supervision in eine passende Bildsprache zu übersetzen. Das ist bei so einem eher abstrakten Thema gar nicht so einfach. Was ich in den allermeisten Fällen mache: Ich versuche herauszufinden, was sich mit den Initialen eines Unternehmens anfangen lässt. Manchmal ergibt sich aus der Buchstabenkombination eine eigenständige Form, die sich zu einer prägnanten Marke weiterentwickeln lässt.
Am besten kann ich diese Formen mit Bleistift und Papier herauskitzeln. Maus und Bildschirm schränken mich in dieser Anfangsphase viel zu sehr ein. Die Ergebnisse sehen scheinbar perfekt aus, obwohl sie noch nicht den Kern des Themas treffen. Der Weg von Hirn zu Hand ist dagegen sehr direkt und fördert oft interessante Ergebnisse zutage.
Für supervision.partners bot es sich an, mit den Buchstaben S und P zu spielen. Hier siehst du beispielhaft zwei von vielen Seiten aus meinem Skizzenbuch:
Rückblickend hab ich mich viel zu lange in diesem Anfangsstadium aufgehalten. Obwohl bereits ein Ansatz dabei war, der nachher zum endgültigen Logo geführt hat. Ich hab ihn mit einem blauen Pfeil markiert. Ein S in einem Kreis? Das war mir zu banal. Also hab ich weiter gescribbelt.
Weihnachten rückte näher und ich wollte den beiden wenigstens ein paar erste Ansätze zeigen. Einer davon war dieser Entwurf:
Er war auch aus meiner Beschäftigung mit den Buchstaben des Namens entstanden. Aber es war klar, dass der große Wurf bei den ersten Vorschlägen noch nicht dabei war. Immerhin halfen sie den beiden Kundinnen zu formulieren, was ihnen nicht zusagte und warum.
In dieser Phase kommunizierte ich den beiden ganz offen, dass ich gerade in einer kreativen Sackgasse stecke. Leicht gefallen ist mir das nicht. Ist so eine Selbstoffenbahrung professionell? Viele hätten hier vermutlich mit „Nein!“ geantwortet. Andererseits gehören Ehrlichkeit und Transparenz zu meinen Kernwerten. Warum also nicht auch mal zugeben, wenn etwas nicht so fluppt wie erwartet?
Zu meiner Erleichterung fiel die Reaktion sehr verständnisvoll aus. Katja und Nannette sind beide mehrfache Mütter und sie konnten es gut nachvollziehen, dass der Vorweihnachsstress auch die Kreativität ausbremst. Das hat mir noch mal gezeigt: Es ist von großem Vorteil, wenn meine Kundinnen und ich in ähnlichen Lebensumständen stecken. Berufstätige Mütter sind nun mal ganz anderen Herausforderungen ausgesetzt als Singles, die ihre ganze Zeit und Kraft in ihr Business stecken können. Was nicht heißt, dass ich auch für diese Zielgruppe gut und gerne arbeite. Aber in dieser Situation war die gemeinsame Lebenswirklichkeit eine große Hilfe. Und sie würde auch über die nächste Hürde tragen. Aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Im neuen Jahr legte ich motiviert los. In dieser Phase kam ein ziemlich verrückter Entwurf zustande. Ich ahnte, dass er nicht auf Zustimmung treffen würde, aber zeigen wollte ich ihn allemal:
An dem Tag, als ich diesen und einen weiteren Entwurf verschickte, stürzte mein Vater. Weil er in unserem Haus lebte, war ich in alles, was danach folgte, voll involviert. An einen normalen Tagesablauf war nicht mehr zu denken. So unangenehm mir das war, ich musste die beiden Kundinnen wieder um Verständnis meiner aktuellen Situation bitten. Das wurde mir prompt zugesagt. Wie sich herausstellte, kannten sie ähnliche Herausforderungen aus eigener Erfahrung. Diese Zusage nahm mir den Druck aus dem Nacken und half mir, mich jetzt voll auf die Pflege meines Vaters zu konzentrieren.
Der Wendepunkt
Anfang März schließlich kam mein Vater ins Krankenhaus und ich hatte wieder etwas mehr Luft, an laufenden Projekten weiterzumachen. Die neu entstandene Freiheit schaffte auch Raum in meinem Kopf. Ich besann mich auf die Ursprungsidee des Siegels und musste mir eingestehen, dass die Initiale S eigentlich perfekt symbolisiert, was Katja und Nannette umsetzen möchten. Nämlich die Begleitung anderer Coaches auf ihrem Weg als Ratgeber und Mentoren. Warum war mir das vorher nicht aufgefallen?
Wie immer entwickelte ich zwei verschiedene Versionen mit unterschiedlichen Schriften. Diesmal machte ich auch schon Vorschläge für mögliche Farbkombinationen. In der Anfangsphase halte ich meine Entwürfe nämlich bewusst in schwarz, damit meine Kund:innen sich ganz auf den Inhalt konzentrieren können. Farben lenken zu sehr vom Eigentlichen ab und führen zu Diskussionen, die erst ganz am Ende des Gestaltungsprozesses kommen sollten.
Jetzt aber spürte ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Diese beiden Entwürfe konnte ich guten Gewissens farbig präsentieren. Der Farbverlauf von Türkis zu Grün sollte dabei für Klarheit und Erneuerung stehen, während die goldene Variante die Hochwertigkeit des Angebots hervorheben sollte.
Die Resonanz war eideutig. Das runde Siegel kam gut an und Katja schrieb: „Auch die Farblogik passt für uns sehr gut, weil sie zu dem passt, wofür wir stehen: Klarheit, Orientierung und auch Erneuerung. Das Runde fühlt sich für uns insgesamt stimmiger an, auch symbolisch.“
Bei der Schrift tendierten sie zur serifenlosen Variante. Das ist der Vorteil von verschiedenen Ansätzen: Farben, Schriften und einzelne Elemente lassen sich in diesem Stadium mühelos austauschen. Katja bat mich, den Weg-Charakter noch mehr herauszuarbeiten – ansonsten würden sie gerne mit diesem Ansatz weitergehen.
Ich setzte mich direkt am nächsten Tag an die Änderungen und schickte die letzten Versionen in die Runde, bevor ich meinen Vater vom Krankenhaus abholte.
Jetzt war der Weg eindeutig als solcher zu erkennen und es ging nur noch um die Abstimmung des äußeren Kreises – sanft angedeutet oder klar umrissen?
Die letzten Anpassungen mussten allerdings noch mal zwei Wochen liegenbleiben, weil mein Vater sich einen Tag nach seiner Entlassung leider still und leise von uns verabschiedet hat. Noch nie zuvor hatte ich so viel Persönliches in einer Zusammenarbeit mit neuen Kund:innen geteilt. Diese Erfahrung hat mir gezeigt: Es gibt Situationen, in denen Transparenz auch bedeuten kann, sich verletzlich zu zeigen. Dass mir so viel Empathie entgegen gebracht wurde, hat mir bestätigt, dass diese Entscheidung zur absoluten Offenheit die richtige war.
Das Ergebnis: Der Weg als Gestaltungskonzept
Als ich wieder den Freiraum hatte, meine Gestaltungsarbeit fortzusetzen, ging es recht flott. Die endgültigen Farbnummern und Fonts wurden festgelegt und ich konnte mich daran setzen, alle Logodateien für Print und Web fertig zu machen. Bei mir gibt es nicht nur eine JPG-Datei, wie ich das von manchen Kund:innen höre, die ihr Logo von Anderen bekommen haben. Für mich gehört die separate Bildmarke genauso dazu, wie Varianten mit und ohne Claim oder auch eine Version im Hochformat. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es immer wieder Gegebenheiten gibt, wo ein langes Querformat nicht passt. Dann ist es gut, Alternativen zu haben und nicht wegen jeder Sonderform erneut die Grafik-Designerin anfragen zu müssen.
Der erste Schritt war getan: Das Logo stand fest und konnte schon für die erste Konferenz eingereicht werden. Aber wie entsteht aus einem einzelnen Logo jetzt ein Branding? Wie lassen sich die einzelnen Gestaltungsparameter auf Geschäftspapiere, Website oder Social Media anwenden?
Auf dem Weg dahin schicke ich meinen Kund:innen gerne ein Moodboard. Da zeige ich anhand von ganz unterschiedlichen Beispielen auf, wie sich aus Farben, Schriften und Visual ein Gestaltungskonzept entwickeln lässt, das eindeutig die Handschrift des Unternehmens trägt. Schließlich sollte die Markenidentität plattformübergreifend wiedererkannt werden.
Das Moodboard kam sehr gut an und schnell war klar, dass der transparente Weg sich perfekt als Keyvisual für supervision.partners eignet. Auf der Rückseite der Visitenkarten wird es fortan zum Gesprächseinstieg verwendet und auch auf Powerpoint-Präsentationen oder Beitragsbildern für LinkedIn wird es dezent darauf hinweisen, dass der Weg zum Erfolg nicht immer geradlinig verläuft.
Fazit
Die Zusammenarbeit mit Katja und Nannette hat sich völlig anders entwickelt als erwartet. Sie war ein Weg mit vielen Kurven und Stolpersteinen. Aber dank offener Kommunikation, Durchhaltevermögen und Entgegenkommen von beiden Seiten ist daraus ein Branding entstanden, das zeigt: Weiterentwicklung ist selten linear und auch nicht immer planbar. Sie ist ein Weg, an dessen Ende wir gestärkt hervorgehen, denn jede einzelne Kurve trägt zu unserer Entwicklung bei.
Du hast bis hierhin gelesen und merkst, dass dir so ein stimmiges Branddesign auch guttun würde? Dann melde dich bei mir und erzähl mir von dir!

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