Grafikdesignerin Marianne Reuter nachdenklich
1. Oktober 2026

Grafikdesigner sterben aus? 25 Selbstständige sagen etwas anderes

Immer wieder höre ich: Logos und Designs entstehen immer öfter mit KI, Grafikdesigner werden bald überflüssig. Ich habe 25 Selbstständige gefragt, wie sie ihr eigenes Logo erstellt haben – nur 2 von ihnen haben komplett auf ein KI-Tool gesetzt. Genau diese Behauptung: “KI macht Grafikdesigner bald überflüssig“, höre ich häufig, und ich wollte wissen, ob die meisten Selbständigen wirklich so denken.

Warum ich das wissen wollte

 

Ich hätte darauf gewettet, dass die Mehrheit sagt: „Designer werden weiter gebraucht.“ Das war meine Vermutung vor der Umfrage. Dass es am Ende tatsächlich 92 Prozent waren, hat mich richtig gefreut – damit hatte ich nämlich nicht gerechnet.

Meine Methodik

 

Befragt habe ich Selbstständige aus meiner LinkedIn-Community: Coaches, Handwerks- und Gastronomiebetriebe und andere Ein-Personen-Unternehmen, die ihr Logo oder Branding bereits erstellt haben. Der Zeitraum war der 4. bis 30. September 2026. Meine Auswertung habe ich mit Hilfe von KI gemacht. 25 Personen haben geantwortet. Die Umfrage lief über LinkedIn, wo ich rund 2.280 Follower habe und war anonym. Das ist natürlich keine repräsentative Erhebung, sondern eine Befragung in meinem eigenen Umfeld. Als Grafikdesignerin habe ich verständlicherweise ein Interesse am Ergebnis. Deshalb war es mir wichtig, auch die Gegenstimmen ernst zu nehmen – nicht nur die, die mir recht geben.

Diagramm zur Umfrage "Grafikdesigner oder KI"

Auswertung der Personengruppe (mit KI erstellt)

15 von 16, die einen Designer beauftragt haben, würden sich wieder für einen Menschen entscheiden

 

Von 16 Personen, die einen Designer beauftragt haben, würden 15 es wieder genauso tun – 11 „auf jeden Fall“, 4 „wahrscheinlich ja“. Nur eine Person ist unsicher. Die durchschnittliche Zufriedenheit in dieser Gruppe liegt bei 9,7 von 10.

Ein Zitat im O-Ton: „Der echte Einwände behandeln kann und mir nicht nach dem Mund redet, sondern seine Design-Entscheidungen auch argumentieren kann – sowas würde KI nie tun, sie würde sich immer weiter nach meinen Wünschen richten.“

Eine andere Person schrieb: „Unsere Dienstleistung menschelt auch und lebt von Nähe, Beziehung und Zuhören.“

Was du für dich mitnehmen kannst: Wenn du überlegst, ob sich ein Designer lohnt, ist die Sorge vor der falschen Entscheidung meist unbegründet. Fast niemand aus dieser Gruppe bereut es im Nachhinein.

    Zitat aus meiner Umfrage: Warum sich jemand für einen Designer entschieden hat

    Wer zu KI oder Selbermachen greift, tut das aus Budget-Gründen, nicht aus Überzeugung

     

    Von den 9 Personen, die (noch) keinen Designer beauftragt haben, sagen 4 ausdrücklich, dass sie eigentlich einen Designer wollten oder wollen, sobald das Budget es zulässt.

    „Ich habe mich für die KI entscheiden, weil ich am Anfang meiner Selbstständigkeit einfach nicht das Budget dafür hatte.“ Eine andere Person, die selbst gestaltet hat: „Später möchte ich eine Designerin beauftragen. Weil wenn’s was gescheit’s werden soll, dann muss ein Mensch her.“

    Interessant fand ich auch diese Aussage: „Ich hatte ein bisschen mit KI gespielt, dabei wurde schnell klar, dass ich einfach nicht genügend Kompetenz für bildgebende KI habe, um wirklich zu guten Ergebnissen zu kommen. Außerdem gibt es da ja auch noch rechtliche Probleme mit KI-generierten Logos, ich wollte mich nicht unnötig aufs Glatteis begeben.“ Die Frage nach dem Urheberrecht stellen sich vermutlich die wenigsten, die sich ein Logo von der KI generieren lassen.

    Wenn du selber gerade mit KI oder in Eigenregie arbeitest, hast du dich vermutlich auch eher für KI als Zwischenlösung entschieden, bis das Budget für einen Menschen reicht. Das ist ein triftigerer Grund, finde ich, als „KI reicht mir“ zu sagen. Und wenn dein Business auf festeren Füßen steht, kannst du dich ja immer noch an einen Profi wenden.

      Die einzigen zwei, die reine KI genutzt haben, sind selbst am wenigsten überzeugt

       

      Durchschnittliche Zufriedenheit bei reiner KI-Nutzung: 6,0 von 10, gegenüber 9,7 bei denen, die einen Designer beauftragt haben. Keine der beiden würde sich sicher wieder für KI entscheiden – eine sagt „wahrscheinlich nicht“, die andere „unsicher“.

      „Dass man nie wirklich ‚happy‘ oder ‚fertig‘ ist, weil mit KI kommen immer wieder neue Inputs und man findet kein Ende. Bei einer Designerin hat man das fertige Design in der Hand und ich glaube, da bastelt man dann nicht mehr viel selber dran rum.“

      Genau die Gruppe, die eigentlich als Beleg für „KI reicht aus“ dienen müsste, ist selbst am wenigsten zufrieden mit dem Ergebnis. Das fand ich interessant.

        Die Stimmen: was mir am meisten hängen geblieben ist

         

        „KI bedeutet Einheitsbrei, wenn man nicht Profi ist.“ Das schrieb eine Person, die selbst gestaltet hat und künftig zu einem Designer wechseln möchte. Ein guter Gedanke. Wenn du möchtest, dass die KI dir gute Ergebnisse für dein Logo oder Design liefert, dann musst du ihr schon sehr genaue Angaben machen. Und dazu braucht es doch mehr Insiderwissen.

        „Echten Menschen brechen die Einkünfte weg“, schrieb jemand als Grund, warum er oder sie sich bewusst gegen KI entschieden hat. Da hat wohl auch reingespielt, dass die eigene Designerin persönlich bekannt war.

        „Kein generisches Coaching-Logo, was man sehr viel sieht – Baum, Pfeil, Glühbirne.“, schrieb jemand aus dem Coaching-Bereich als Grund, warum eine Designerin beauftragt wurde. Das ist ein plausibles Argument. KI verwendet oft die gleichen Bildelemente und denkt sich nicht tiefer in die Thematik hinein. Auch die emotionale Ansprache fehlt.

        Aus der KI-Gruppe, gab es auf die Frage nach dem Grund für die Entscheidung dagegen nur recht einsilbig: “Tipp.“ Kein weiterer Satz. Während die Designer-Kunden im Schnitt mehrere Sätze zur Beziehung, zum Gespräch, zur Auseinandersetzung mit der eigenen Marke schreiben, bleibt die Antwort hier auffallend knapp.

          Zitat aus meiner Umfrage: Warum keine KI fürs Logo verwendet wurde

          Was ich trotz dieser Umfrage noch nicht weiß

           

          Eine Antwort aus der „Selbst gemacht“-Gruppe widerspricht sich: Unter Zufriedenheit wird 1 von 10 angegeben, aber im Freitext heißt es dann: „gute und richtige Entscheidung“ sowie „ja, auf jeden Fall“ bei der Wiederholungsfrage. Vermutlich war das ein Zahlendreher bei der Skala – ich kann es ja nicht klären, wollte es aber nicht unterschlagen. Offen bleibt außerdem, ob sich das Bild bei einer größeren Stichprobe hält, und was genau Designer tun, wenn sie mit KI arbeiten – dazu hätte ich gern mehr Leute befragt. Vielleicht Futter für eine neue Umfrage?

          Jetzt hast du einige Gründe gelesen, warum Selbstständige sich für einen Designer oder eine Designerin entschieden haben. Stehst du auch gerade vor der Frage, ob du einen Profi engagieren solltest? Dann melde dich doch für ein kostenfreies Kennenlerngespräch bei mir. Da kannst du mich mit deinen Fragen löchern und dir selbst ein Bild von mir machen.

            Marianne Reuter, Grafik-Designerin

            Marianne Reuter

            Ich bin Marianne – Krimi-Fan, Komplizin und Kommuni­kations-Designerin. Ich löse deine kniffligen Designfragen, damit du mit deinem Business richtig reinklotzen kannst.

            2 Kommentare

              • Marianne Reuter

                Das freut mich sehr. Ich fand die Ergebnisse selber sehr aufschlussreich.

                Antworten

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